Man sagt in der Ukraine fängt der Orient an. Ganz stimmt das nicht:

Landschaft:
Der Westen und Osten der Ukraine sind im Frühjahr, bevor die Feldfrüchte treiben, eine staubige Wüste, in der man teilweise in alle Richtungen nur Acker sieht. Wenn der Frühling gekommen ist allerdings, zeigt sich eine freundliche, warme Landschaft. Der Norden ist von einem riesigen, zusammenhängendem Waldgebiet bedeckt, in dem es kaum Straßen und nur wenige Ortschaften gibt. Die zentrale Ukraine ist lieblich. Sie wird von lichten Bergwälder und kleinen, fischreichen Gewässern geprägt. Je weiter man sich der Schwarz-Meer-Küste nähert, desto mediteraner wird das Klima. Landschaft und Fauna nehmen gebietsweise fast griechische Züge an. Die Südküste bei Yalta auf der Halbinsel Krim im schwarzen Meer ist sogar ein luxuriöses und sicheres Touristenparadies.

Menschen/Leben/Verständigung:
99% der Menschen leben in sehr einfachen Verhältnissen. Auf dem Land bewohnen die meisten Familien 3-Zimmer-Häuschen und versorgen sich selbst mittels kleiner Äcker, Obstbäumen und wenigen Tieren. In den wenigen Städten lebt man in kleinen Wohnungen in Wohnblocks aus Altbauten. Oft arbeiten alle Familienmitglieder, um ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Bis vor wenigen Jahren waren Straßenräubereien an der Tagesordnung. Noch heute werden Häuser und Wohnungen niemals gänzlich alleine gelassen.
Das schwierige Leben führt dazu, dass der Zusammenhalt der Ukrainer sehr groß ist. Das gilt gegenüber allen Menschen: Fremden genauso wie Nachbarn. Ihre Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft ist famos. Selbst wenn die Familie noch so arm ist, Gäste bewirtet sie so herrschaftlich, daß es einem ein schlechtes Gewissen machen kann. Aber das braucht man nicht zu haben, denn die Ukrainer sind ein sehr geselliges Volk. Die Menschen tuen sich untereinander gerne Gutes. Wenn sie dafür einen schönen, spaßigen oder aufregenden Abend haben ist ihnen das der Aufwand der Bewirtung 100 mal wert. Man sollte allerdings nicht den reichen Fremdländer raushängen lassen und versuchen auf ihre Sprache einzugehen. Perfekte Russisch-/Ukrainisch-Kenntnisse sind nicht nötig. Viele sprechen ein paar Worte deutsch und ein wenig englisch. Ansonsten nehmen sich alle Leute sich gerne Zeit für Zeichnungen oder mit Händen und Füßen vorgebrachte Fragen. Ein paar Worte wie „Guten Tag“, „bitte“, „danke“, „Entschuldigung ich suche“ und „auf Wiedersehen“ als Zeichen seines guten Willens zu lernen ist allerdings schon angebracht. Außerdem sollte man sich ein wenig Zeit nehmen um kyrillische Zeichen zu lernen, damit man zumindest Ortsschilder lesen kann. Das nimmt kaum 10 Stunden in Anspruch.

Lebensmittel/Unterkünfte:
Supermärkte/Magazine gibt es nur wenige aber in Dorfläden, an Basarständen und an den Strassen durch die Ortschaften bekommt man problemlos vorwiegend frische Lebensmittel für wenig Geld. Um einen Imbiß oder eine Tagesküche zu finden, braucht man lediglich lang genug eine Straße entlang zu fahren. Ebenso ist es mit Motels und Campingplätzen. Restaurants, Herbergen und gehobene Hotels kommen hauptsächlich in den Städten vor. Aber es gibt ausnahmen. Unter Camping verstehen die Ukrainer nicht das selbe wie wir. Von Übernachtungen im Zelt ist generell abzuraten. Die Versuchung für die wenigen schwarzen Schafe wäre zu groß. Wildcampen ist nicht nur verboten, sondern potenziell selbstmörderisch. Ein Zelt an einer Stelle an der man nicht gesehen und gehört wird ist nicht nur eine UNWIDERSTEHLICHE Versuchung sondern senkt auch die Hemmschwelle zur Gewalt (an eine Waffe zu kommen ist für einen ukrainischen Verbrecher noch erheblich leichter als für einen deutschen). Jeder anständige Ukrainer, der sie beim Wildcampen entdeckt, wird sie quasi zwingen bei ihm zuhause zu übernachten, um sie vor Ärger mit der Polizei oder unangenehmen Zeitgenossen zu bewahren. Ein Camping ist in diesem Land kein Campingplatz, sondern eine Art Bungalowkomplex in dem man für kleines Geld Zimmer mit Bett, Tisch, Stuhl, Schrank und WC und Dusche auf dem Gang bekommen kann. Hauptsächlich werden Campings von Fernfahrern und Arbeitern auf Montage genutzt. Der Umgang dort ist vielleicht rauh, aber herzlich. Man darf sich nur nicht einschüchtern lassen. In billigen Hotels/Herbergen ist es dasselbe. Beide verfügen fast immer über bewachte Parkplätze. Wenn sie mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs sind: Nutzen sie diese!
Wer in eine der wenigen, kleinen und für ukrainische Maßstäbe exklusive Touristenregion fährt wird problemlos edlen Unterkünfte und auch sonst alles bekommen; incl. Deutsch/englisch-sprachigem Hotelpersonal.

Straßen/Busse:
Die Straßen sind schlecht. Autobahnen in unserem Sinne gibt es nicht. Wer nicht rast kommt auf den Nationalrouten, die einer gut ausgebauten, deutschen Landstraße entsprechen, die seit 10 Jahren nicht mehr ausgebessert wurde, trotzdem gut voran. Rasen sollten sie nicht, da es zum einen Schlaglöcher gibt, „in die Autos ganz reinpassen“ und zum anderen, weil die Polizei gut vertreten ist, auf der Lauer liegt und nicht mit sich spaßen lässt. Wenn ein Polizist Sie anhält und Geld von ihnen fordert (sofern es kein Vermögen ist): zahlen sie. Auch wenn sie nichts begangen haben. Dann wird man ihnen einen schönen Tag wünschen und weiterfahren lassen. Fangen sie an zu diskutieren oder beharren sie darauf, dass die Beamten den Amtsweg einhalten und ihnen irgend etwas Schriftliches geben, so verderben sie ihnen den Tag und das werden sie Ihnen auf der nächsten Polizeiwache durch sehr, sehr langsame Bearbeitung des Vorgangs und durch ein gesalzenes Bußgeld zu spüren geben. Ist die Geldforderung auf der Straße zu hoch können sie versuchen zu verlangen den Vorgesetzten der Polizisten zu sprechen. Es gibt entgegen einiger Gerüchte genug Tankstellen. Es ist absolut nicht nötig mit vollen Reservekanistern herum zu fahren. An Treibstoff gibt es immer Diesel und PB 90/92 (verbleites Normalbenzin) und fast immer PB95 (verbleite Variante von Super). Neuere Autos haben manchmal Probleme mit verbleitem Benzin. Das sollte man vorher abklären.
Busse halten da, wo mehrere Menschen an der Straße stehen. In der Stadt werden die Busse kleiner, die Stopps häufiger und ihre Route willkürlich. Sie steigen ein, sagen den Namen einer Strasse oder eines Platzes, der Fahrer nickt entweder, oder sagt ihnen daß sich das nicht mit den Zielen der anderen Insassen vereinbaren läßt, sie suchen sich einen Platz und bleiben aufmerksam und wenn der Bus in der Nähe ihres Zieles hält gehen sie schnell nach vorne, bezahlen und steigen aus.

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