Allgemeines:
Kiew (ukrainisch Київ/Kyjiw; russisch Киев/Kijew) ist die Hauptstadt und größte Stadt der Ukraine, sowie Verwaltungssitz des Oblastes Kyjiw, dem sie jedoch nicht anghört. Sie liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnipro (russ. Dnepr) und hat 2.700.000 Einwohner, mit Einzugsgebiet 3.015.108 (Stand 1. Januar 2005). Die Universität wurde 1834 gegründet. Außerdem gibt es 99 Hochschulen, 25 Museen Planetarien, Theater, botanische und zoologische Gärten. Aufgrund seiner vielen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die orthodoxe Christenheit wird Kiew seit dem Mittelalter als Jerusalem des Nordens bezeichnet (heute hört man häufiger Jerusalem des Ostens). Ferner wird Kyjiw aufgrund seiner geschichtlichen Rolle als Mutter aller russischen Städte bezeichnet.
Das höchste politische Organ der Stadt ist der Kiewer Stadtrat (Ukrainisch: Київрада; translit. Kyïvrada), deren Mitglieder direkt durch die Kiewer Bevölkerung gewählt werden und deren Vorsitz der Kiewer Bürgermeister hat. Bürgermeister ist seit 26. März 2006 der Finanzexperte und Privatbankier Leonid Tschernowezkyj. Tschernowezkyj, der in den vergangenen Jahren durch Korruptionsvorwürfe und seine Zugehörigkeit zu einer Freikirche in die Schlagzeilen geraten war, wurde bei einer vorgezogenen Wahl am 25. Mai 2008 im Amt bestätigt. Er setzte sich dabei mit einfacher Mehrheit u. a. gegen Olexandr Turtschynow und Vitali Klitschko durch. Die Neuwahl wurde durch einen Parlamentsbeschluss mit den Stimmen der ukrainischen Regierungskoalition und des Blok Lytwyna angeordnet, die beabsichtigten, eine Ablösung des umstrittenen Amtsinhabers herbeizuführenDas Vorhaben scheiterte an der chronischen Zerstrittenheit der westlich orientierten Kräfte der Ukraine, die mit zwei Kandidaten (Turtschynow und Klitschko) antraten und so angesichts des Wahlrechts, das eine Entscheidung mit einfacher Mehrheit im ersten Wahlgang vorsieht, chancenlos waren.
Rajon Schewtschenko (Шевченків�?ький, nach Taras Schewtschenko)
Rajon Solomjansk (Солом’�?н�?ький)
Rajon Petschersk (Печер�?ький, nach dem Kyjiwer Höhlenkloster)
Rajon Podil (Поділь�?ький)
Rajon Holosijiw (Голо�?іїв�?ький)
Rajon Darnyzja (Дарницький)
Rajon Dnipro (Дніпров�?ький, nach dem Fluss Dnipro)
Rajon Desna (Де�?н�?н�?ький, nach dem Fluss Desna)
Rajon Obolon (Оболон�?ький)
Rajon Swjatoschyn (Св�?тошин�?ький)
Athen, Griechenland
Belgrad, Serbien
Bratislava, Slowakei
Brüssel, Belgien
Budapest, Ungarn
Buenos Aires, Argentinien (seit 1993)
Chicago, USA
Chişinău, Moldawien
Edinburgh, Vereinigtes Königreich
Eriwan, Armenien
Florenz, Italien
Helsinki, Finnland
Krakau, Polen
Ky�?to, Japan
Leipzig, Deutschland (seit 1962)
München, Deutschland (seit 1989)
Minsk, Weißrussland
Peking, Volksrepublik China (seit 1993)
Riga, Lettland
Rio de Janeiro, Brasilien
Tiflis, Georgien
Toronto, Kanada
Toulouse, Frankreich (seit 1975)
Vilnius, Litauen
Warschau, Polen (seit 1994)
Wien, Österreich (seit 1992)
Wuhan, Volksrepublik China
Bevölkerungarten und -anteile:
Nach der offiziellen Volkszählung in der Ukraine lebten im Jahr 2001 in Kyjiw etwa 83 % Menschen ukrainischer und 13 % Menschen russischer Nationalität, wobei Menschen mit den gemischten russischen und ukrainischen Nationalitäten (das ist die Mehrheit) als Ukrainer gezählt wurden. Daneben gibt es noch kleine Minderheiten anderer Nationalitäten (Juden, Weißrussen, Polen, Armenier und andere).
Sprache
Bei der öffentlichen Befragung 2005 haben insgesamt 64 % Ukrainisch und 34 % Russisch als ihre Muttersprache genannt. Die Sprachensituation Kiews hat sich im Laufe der Geschichte radikal verändert. Zur Zeit der Zaren und der Sowjetunion wurde das Ukrainische immer weiter vom Russischen verdrängt, in den 1980ern war Kiew fast ausschließlich russischsprachig. Nach dem Fall der Sowjetunion und seit der Unabhängigkeit der Ukraine ist jedoch wieder eine Tendenz zum Ukrainischen erkennbar, da es die Unterrichtssprache in den Schulen ist und viele Ukrainer, die ihre Eigenständigkeit gegenüber Russland betonen möchten, die ukrainische Sprache bevorzugen.
Religion:
Kiew ist Sitz eines ukrainisch-orthodoxen Patriarchen und eines russisch-orthodoxen Metropoliten. Die Kyiwer Sophienkathedrale ist die älteste ostslawische Kathedrale. Der Großerzbischof der mit der römisch-katholischen Kirche unierten griechisch-katholischen Kirche ist derzeit dabei, seinen Sitz von Lwiw hierher zu verlegen. Auf dem Kiewer Stadtwappen ist der Patron von Kiew Erzengel Michael abgebildet. In Kyjiw gibt es eine jüdische Minderheit. Dort befindet sich auch das Islamische Institut und die Geistliche Verwaltung der Muslime in der Ukraine.
Topographie:
Die Stadt liegt zu beiden Seiten des breiten Dnipro, der nach Süden dem Schwarzen Meer entgegen fließt. Das rechte, westliche Flussufer mit dem historischen Stadtzentrum ist von zahlreichen, ursprünglich bewaldeten kleinen Hügeln des Prydniprovska Hochlands geprägt. Ein ständiges Auf-und-Ab sowie Kastanienbäume sind typisch für die Kyjiwer Innenstadt. Die Hügel fallen hier steil zum Fluss ab. Weiter im Norden – im Stadtteil Podil – besteht aber ein flacher und breiter, bebauter Uferstreifen.
Das linke, östliche Flussufer wurde erst im 20. Jahrhundert erschlossen. Im Gegensatz zur gegenüberliegenden Seite ist es flach und von Waldsteppe geprägt. Hier finden sich auch zahlreiche Seen. Der Dnipro verzweigt sich im Stadtgebiet zahlreich. Mehrere größere Inseln, die kaum bebaut wurden, dienen als Naherholungsgebiete.
Kiew liegt im nördlichen Teil der Ukraine. Das Klima ist daher oft feucht bis kalt. Die Sommer hingegen sind mild mit Durchschnittstemperaturen von 19,3 bis 25,3 °C in den Monaten Juni, Juli und August. Die kältesten Monate sind Dezember, Januar und Februar mit Durchschnittstemperaturen von -4,6 bis -1,1 °C. Am 31. Juli 1936 wurde die Rekordhöchsttemperatur von 39,4 °C gemessen. Die tiefste gemessene Temperatur war -32,2 °C am 9. Februar 1929. Kiew ist von Mitte November bis Ende März mit Schnee bedeckt, wobei es in den letzten Jahren aufgrund der globalen Erwärmung weniger wurde.
Laut Nestorchronik wurde Kiew von drei Brüdern und einer Schwester namens Kyj, Schtschek, Choriw und Lybid gegründet, die auf drei Anhöhen Dörfer bauten. Sie errichteten noch eine Festung, die sie nach dem ältesten Bruder benannten („Kiew“ = ‚Stadt von Kyj‘, altrussisch und ukrainisch: Kyjiw). Dies soll spätestens am Anfang des 6. Jahrhunderts geschehen sein, da der Name des slawischen Fürsten Kyj in dieser Zeit in byzantinischen Chroniken erwähnt wurde. Einige mittelalterliche Quellen führen die Gründung Kiews auf die Jahre 430-460 zurück. Es gibt auch Spekulationen, die Kiew schon mit der von Jordanes erwähnten großen gotischen Stadt Danapirstadir (= „Dniprostadt“) identifizieren.
882 wurde die slawische Stadt Kiew als fürstliche Residenz der Rus „Känugard“ genannt. 988 wurde es durch den zum Christentum übergetretenen Großfürsten Wolodymyr I. (russ. Wladimir I.) ausgebaut und als Zentrum der Kyjiwer Rus befestigt. Im 11. und 12. Jahrhundert war Kiew bereits eine der größten Städte Europas (etwa 50.000 Einwohner).
Am 6. Dezember 1240 wurde Kiew von Mongolen unter Batu Khan (=Goldene Horde) überfallen, fast alle Einwohner getötet und nahezu alle Gebäude niedergebrannt. Es wurde berichtet, dass von der großen und dichtbesiedelten Stadt nur noch 200 Häuser gestanden haben sollen. 1569 wurde es zu einer polnisch-litauischen Provinzhauptstadt. 1667 fiel nach dem Frieden von Andrusowo die Stadt mit der gesamten linksufrigen Ukraine (Gebiete östlich des Dnipro) an das autonome Kosakenhetmanat unter russische Vorherrschaft und wurde Hauptstadt eines russischen Gouvernements. Ab 1920 war Kiew sowjetisch. 1934 wurde die Stadt an Stelle von Charkiw Hauptstadt der Ukrainischen Sozalistischen Sowjetrepublik.
Vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion zählte die Stadt 350 000 Juden, von denen die meisten allerdings rechtzeitig fliehen konnten. So lebten bei dem deutschen Einmarsch am 19. September 1941 nur noch 30 % der Juden in der Stadt (ca. 100.000 Juden). Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, vom 19. September 1941 bis zum 6. November 1943, wurden von den Deutschen 120.000 bis 160.000 sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten (vor allem Juden) in Kyjiw ermordet. 35.667 Juden fielen alleine dem Massaker in Babi Jar (dt. Großmutter- bzw. Altweiberschlucht) bei Kyjiw zum Opfer. 1942 wurde am Nordrand der Stadt das KZ Syrets errichtet. Kurz nach der Schlacht um Kyjiw nahm die Stadt großen Schaden nach einem verheerenden Großbrand, welcher am 24. September 1941 durch ferngezündete russische Sprengsätze ausgelöst wurde und erst am 29. September unter Einsatz der deutschen und einheimischen Feuerwehr und des Sprengens von Brandschneisen gelöscht werden konnte.
1982 fanden die Feierlichkeiten des 1500-jährigen Bestehens von Kyjiw statt. 1986 wurde die Stadt vom Tschernobyl-GAU schwer getroffen. Seit 1991 ist Kiew Hauptstadt der unabhängigen Ukraine. In der Folge kam es zur Wiedererrichtung zahlreicher während der Periode des Stalinismus zerstörter Bauwerke, etwa des Michaelsklosters oder der Christi-Geburtskirche im Stadtteil Podil. 2004 war die Innenstadt Schauplatz der Massenproteste gegen die Fälschungen bei den Präsidentschaftswahlen der Ukraine, die vom 21. November bis 5. Dezember andauerten und zur Orangenen Revolution führten.
Sophienkathedrale, eine fünfschiffige Kreuzkuppelkirche, Grundsteinlegung 1037 unter Jaroslaw der Weise (UNESCO Weltkulturerbe)
Höhlenkloster Kiewo Petscherska Lawra (um 1050 von Asketen), unter anderem mit Warägerhöhlen, Sammlung der historischen Schätze, Uspenski-Kathedrale und Museum der Miniaturkunstwerke.
Klosterkirche St. Michael mit den goldenen Kuppeln (12. Jahrhundert), wiederaufgebaut
Goldenes Tor (1024, 1982)
Marienpalast(1755, 1870)
Andreaskathedrale(1750)
Wladimirkathedrale (1889)
Taras-Schewtschenko--Boulevard (19. Jh.)
Nationales Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges mit angegliederter Gedenkstätte: Eine Mutter-Heimat-Statue sowie eine Ewige Flamme erinnern an den Zweiten Weltkrieg. Der Komplex ist im Jahr 1981 fertiggestellt worden. Die von weitem sichtbare Statue hat eine Höhe von 68 m und steht auf einem 40 m hohen Podest. Sie übertrifft damit die Freiheitsstatue in New York, die ohne Sockel 46,5 m, mit Sockel 102 m hoch ist.
Chreschtschatyk (Хрещатик) Boulevard (1954). Jeden Samstag, Sonntag und feiertags wird die Hauptstraße im Zentrum von 9 bis 21 Uhr für den Fahrzeugverkehr gesperrt.
Platz der Unabhängigkeit (Maidan Nesaleschnosti) (1954, 2002)
Podil, ein alter Stadtbezirk mit vielen historischen Bauten aus den 12. bis 19. Jahrhundert
Hydropark, ein Vergnügungspark auf den Dnipro-Inseln (1960).
Alter und neuer botanische Garten
Statue von Wladimir dem Heiligen über dem Dnipro (1853)
Babi Jar, die Schlucht des Schreckens mit dem Denkmal der ermordeten Juden
Opernhaus
Fernsehturm in Stahlfachwerkbauweise, vermutlich höchste Stahlfachwerkkonstruktion der Welt
Haus mit den Chimären, erbaut von 1901 bis 1902
Wirtschaft:
In Kiew sind Ministerien und Verwaltung, die Stahlindustrie, der Maschinenbau, der Flugzeugbau, die Chemieindustrie, sowie die Solarindustrie sowie weitere, wichtige Industrien oder Verwaltungen angesiedelt.
Es gibt (Stand 1. Mai 2006) noch keine städtische Touristeninformation in der Stadt, am Flughafen oder am Bahnhof. Private Agenturen übernehmen die Vermittlung von Hotelzimmern, Autovermietungen oder
Kiew ist Anziehungspunkt für den Tourismus, wirtschaftliches Zentrum und neben Lemberg und Odessa kultureller Mittelpunkt des Landes. Kiew ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Osteuropas als Schnittpunkt der Verkehrswege Istanbul/Athen-Sofia-Kiew-Minsk/Moskau und Westeuropa-Kaukasus. Außerdem hat Kiew einen Hafen am Dnipro.
Kiew wird von drei Flughäfen bedient. Der kleinere und ältere der beiden Passagierflughäfen, Kiew-Žuliany, liegt im Stadtgebiet und wird überwiegend für Inlandsflüge genutzt. In Boryspil, ca. 15 km östlich der Stadtgrenze beziehungsweise 30 km südöstlich des Zentrums, liegt der größere Flughafen Kiew-Boryspil (nach russischer Schreibweise auch als Borispol bekannt), der deutlich mehr Verbindungen hat und von den meisten internationalen Linien angeflogen wird. Außerdem gibt es einen internationalen Frachtflughafen in der nordwestlichen Vorstadt Hostomel (russ. Gostomel).
Seilbahn:
Innerstädtischer Verkehr: Dem innerstädtischen Verkehr dient neben Trolleybussen, Bussen, der Straßenbahn) und Kleinbus-Sammeltaxen (Marschrutne Taksi) die Metro. Letztere besteht aus drei Linien, die die Stadt durchkreuzen. Im Berufsverkehr verkehrt die Metro zum Teil im 30-Sekunden-Takt, sonst alle zwei bis vier Minuten. Abends können es auch acht Minuten sein. Nachts ist die Metro geschlossen. Außerdem verbindet eine Standseilbahn (Funikuljor) den Stadtteil Podil am Dnepr-Ufer mit dem Stadtzentrum.
Nationale Taras-Schewtschenko-Universität (KDU), (* 1834)
Nationale Technische Universität der Ukraine „Polytechnisches Institut Kiew“ (KPI), (* 1898)
Nationale Universität Kiew-Mohyla-Akademie (NaUKMA) (* 1632/1992)
Kiewer Nationale Wirtschaftsuniversität (KNEU), (* 1906)
Kiewer Nationale Universität für Bauwesen und Architektur (KNUCA) (ehem. KISI), (* 1930)
Nationale Akademie für Luft- und Weltallfahrt (KIIGA), (* 1933)
Im August 2007 war Kyjiw Austragungsort der Weltmeisterschaften im Orientierungslauf.
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